Karin Allar


1964 geboren in Neumarkt

2005 Akademie Faber Castell mit Abschluss im mehrjährigen Haupt- und zweijährigem Aufbaustudium

lebt und arbeitet in Neumarkt

 

 

INSZENIERTE BILDER VOM WIRKLICHEN LEBEN

  „Ich bin so ein Mensch“, sagt Karin Allar, „einer mit Lebensfreude und positiver Einstellung !“ Das sieht man  ihren Bildern an. Die wollen nicht fein säuberlich und akkurat austariert Wirklichkeit wiedergeben. Sondern für die und auf ihnen braucht die Neumarkter Malerin viel spontanen Platz. Eigentlich war das schon immer so, seit Karin Allar malt: „Meinen Pinselstrich soll man auch sehen !“ Ganz gleich, ob sie früher schwungvolle Details in Acryl auf ihre Leinwände gebracht hat, wie mit einem Fotozoom hautnah herangeholt. Oder neuerdings mehr die großen inhaltsreichen Tableaux bevorzugt: vorüberhastende Menschengruppen, eine kreischende Hochbahn, viel inszenierte Realität. Die setzt Karin Allar in der Regel erst zuhause im Atelier zusammen: aus vielen Fotos, Schnappschüssen, die sie vom Venice Beach in LA oder von den Cable Cars in San Francisco mitgebracht hat, die sie aber auch  in ihrer persönlichen Umgebung findet. Beobachterin will sie sein, will zeigen, was um sie herum passiert – kein geschönten Idyllen, sondern die „besondere Schönheit der Realität“, in der neben jungen, attraktiven Frauen auch lebensfrohe ältere Menschen vorkommen, die beim Kaffee auf einer Terrasse am Gardasee sitzen. In solchen Inszenierungen soll der Betrachter auch  sich selbst wiederfinden können. Der Hauch des Positiven liegt über allem: den erlebt sie in ihrem stabilen familiären Umfeld, den hat sie sich während vieler Berufsjahre in der Krankenhaus-Intensivstation angeeignet, den will sie auch ihrem Publikum vermitteln. Medium und Motiv  sind dafür besonders Frauen: eine Mischung aus Jung und Alt, die Bettlerin gleich neben dem Schlosseingang, knackig gefüllte Hotpants am Pazifik. Bewusst ausblenden will sie die Männer  nicht, aber sie will entschieden „Frau“ sein, am besten mit vielen Freundinnen. „Das Motiv der Frau ist in mir drin !“  Genauso wie der wache Blick für den spontanen Moment: den festzuhalten, dafür ist ihr Öl als Material „viel zu träge“, alles malt sie mit der schnellen und plakativen Wirkung von Acrylfarben. Diese Arbeitsweise der bewussten Bildinszenierung hat sie auch der Welt des Films nahe gebracht. Aber die Portraits einer Monroe, Hepburn, eines Louis Armstrong – auch die zeigen die Stars in ihren schönsten Rollen, in den Szenen, die Allar liebt und im Pool ihrer Erinnerung hat: faszinierender Flitter gleich neben den „homeless people“. Auch  hier ist alles in Bewegung, unterwegs,  bleiben  Rand-Details bewusst unausgeführt, geparkte Autos, vorüberhuschende Mädchengruppen. Schnell bewegt sich alles um die Künstlerin herum, von ihr weg. Allar taucht in den flüchtigen Augenblick ein – und schon haben ihr die Menschen, die sie malt, den Rücken zugedreht. Solche intensiven Momente liebt sie auf ihren Reisen, von denen sie aber gerne wieder nachhause zurückkehrt, in einen sicheren Hafen, wo sie die gesammelten Eindrücke sortiert und zu  positiven, aber immer dynamischen Szenen zusammensetzt.

                 

Uwe Mitsching

Ausstellungssituation 2014
Ausstellungssituation 2014

Easy Day 1, Acryl auf Leinwand, 2015, 180 x 55 cm, verkauft

“I am someone with a zest for life and a positive attitude” says Karin Aller. You can see it in her paintings, they don't portray a clean and accurate reality. The painter from Neumarkt needs a lot of room for spontaneity. It's always been like that since Karin Aller started painting. “You should be able to see my paintbrush strokes!” Whether she's painting sweeping details in acrylic or busy living pictures, scurrying groups of people or a screeching tram, she paints a staged and detailed reality. She takes elements from photographs of her travels, and puts them all together when she gets back to her studio. Snapshots of Venice Beach, LA, or of cable cars in San Francisco all feature alongside elements of her personal surroundings.

 

She wants to be an observer, she wants to show what happens around her. No embellished Utopia but the “beauty of reality” in which young attractive women show up just as much as vibrant elderly people, drinking their coffee on a porch at Lake Garda. In these scenes the viewer should be able to see themselves. A hint of positivity lies over everything. This comes from her experience in the stable and familiar working environment of an intensive care unit at a hospital. She wants people to see this.

The subjects and motifs in her paintings are mainly women, a juxtaposition of young and old, a beggar next to the entrance of a castle. Juicy hot pants in the Pacific. In no way does she want to fade out men, but she distinctly screams “woman”. “The subject of being a woman is in me!” Just like the eye for an impromptu moment. To express it on canvas Aller uses Acrylic paints, “oils are much too dull”. Her way of portraying reality has led her into the world of film. Her portraits of Monroe, Hepburn, and Louis Armstrong depict these stars in their greatest roles, in stark contrast with the homeless people present. Even here everything is moving. Surrounding details are deliberately unfinished. Parked cars, scurrying groups of girls. Everything moves around the artist quickly. Aller dives into fleeting moments. As soon as she draws them they have already turned their back on her. She loves these intense moments on her journeys. She loves returning home to her safe-haven where she sorts her collected impressions into positive and dynamic creations.

 

Written by Uwe Misching translated by Jessica Herrmann